Kniespezialist Dr. med. Knipprath zum Thema Arthrose im Interview

Dr. Knipprath ist anerkannter Spezialist für Hüft- und Knieoperationen. Mit mehr als 4.000 durchgeführten Operationen mit Gelenkersatz zählt er zu den erfahrensten Orthopäden Deutschlands auf dem Gebiet der Endoprothetik für Knie und Hüfte. Patienten mit Gelenkerkrankung und fortgeschrittenem Gelenkverschleiß (Arthrose) erfahren nach dem Einsatz von künstlichem Gelenkersatz eine deutliche Schmerzreduktion sowie die Zunahme ihrer Mobilität und somit eine verbesserte Lebensqualität. Er berät Patienten mit Arthrose bei der Frage nach Gelenkersatz.

BSP: Die Vorstellung, ein künstliches Kniegelenk implantiert zu bekommen, bereitet Betroffenen meist große Sorge. Ist das heute noch berechtigt?

Dr. Knipprath: Die Angst vor einer unbekannten Situation ist natürlich verständlich. Gerechtfertigt ist die Sorge nicht, denn dank neuer Operationstechniken und den Endoprothesen aus hochwertigen Materialien können die natürlichen Gelenke sehr gut ersetzt werden. Die Erfahrung zeigt, dass Gelenksprothesen durchschnittlich mehr als 15 Jahre, mitunter auch 25 Jahre halten. Es versteht sich von selbst, dass man einen so entscheidenden Eingriff in die Hände eines Fachspezialisten legt, der die nötige Routine und Erfahrung hat und mit den besten Verfahrenstechniken arbeitet.

BSP: Wie entscheiden Sie, ob der Patient ein künstliches Kniegelenk benötigt?

Dr. Knipprath: Wichtig ist, dass der Befund stimmt. Der Patient sollte eine deutliche Einschränkung der Beweglichkeit und ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Verbesserung seiner Situation haben. Das sind meist Menschen mit fortgeschrittener Arthrose (Gelenkverschleiß), die der Schmerz auch nachts begleitet. Patienten mit diesem Nachtschmerz profitieren am meisten von der Operation mit Gelenkersatz.

BSP: Wie gehen Sie bei der Beratung Ihrer Patienten vor?

Dr. Knipprath: Bei der Beratung eines Patienten gibt es für mich kein Zeitlimit. Der Patient wird solange beraten bis alle seine Fragen geklärt sind. Im persönlichen Gespräch mit dem Patienten versuche ich herauszuarbeiten wie sich der Schmerz äußert und vergleiche diese Daten mit der Bilddiagnostik. Oft gibt es auch andere therapeutische Möglichkeiten, die eine Operation nicht zwingend notwendig machen. Erst wenn alle klassischen Therapie-Maßnahmen ausgeschöpft sind rate ich zu Gelenkersatz.

2018 hat die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) ihre Empfehlung zur Prävention von postoperativen Wundinfektionen aktualisiert. Es gibt Hinweise darauf, dass mit zunehmender Erfahrung des Operateurs und seines Operationsteams die Rate der sogenannten SSI (Surgical Site Infections), also der Infektionen nach chirurgischen Eingriffen sinkt.

BSP: Was bedeutet Prävention von postoperativen Wundinfektionen?

Dr. Knipprath: Die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention wurden den Erkenntnissen aus neueren Studien angepasst. Aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung und dem zunehmenden Anspruch der Patienten, auch im höheren Lebensalter aktiv zu sein, steigt die Zahl der Operationen mit Gelenkersatz seit Jahren an. Die Prävention von post-operativen Wundinfektionen ist eine Herausforderung aller chirurgischen Fachdisziplinen. Dabei ist das Infektionsrisiko für verschiedene Operationsarten unterschiedlich.

Als Spezialist für Hüft- und Kniegelenkersatz arbeite ich mit einem sehr erfahrenen Operationsteam. Neben den empfohlenen Hygienemaßnahmen, die zur Selbstverständlichkeit eines jeden OP-Teams gehören sollten, nutzen wir verschiedene Maßnahmen um einer Infektion im Operationsgebiet der Endoprothese vorzubeugen. Das ist erstens eine Antibiotikagabe in der Weise, dass der wirksame Spiegel im Blut das OP-Gebiet zum Zeitpunkt der Operation bereits erreicht hat.

Zweitens nutzen wir eine spezielle Hautdesinfektion mit einer Wirkstoffkombination aus 2 % Chlorhexidingluconat und 70 % Isopropylalkohol. Dies bietet auch bei größeren chirurgischen Eingriffen eine schnell einsetzende, lang anhaltende und umfassende antiseptische Wirkung, denn die hauteigenen Bakterien des Patienten sind die häufigsten Erreger bei postoperativen Wundinfektionen.

Drittens: Es ist nachgewiesen, dass antiseptische Waschlotionen und Nasensalben die Keime auf der Haut signifikant reduzieren. Deshalb empfehle ich meinen Patienten eine spezielle antiseptische Waschlotion und antiseptische Nasensalbe, die sie ab Tag 5 vor der Operation täglich anwenden. Ebenso weisen wir unsere Patienten darauf hin, die Haut um das Operationsgebiet Tage vor dem Eingriff nicht zu rasieren, da hierbei Mikro-Verletzungen an der Haut entstehen, in denen sich Hautkeime vermehren und somit das Infektionsrisiko erhöhen können.

Viertens: Bei Risikopatienten, – dazu zählen beispielsweise Diabetiker, Patienten mit mehreren Vorerkrankungen oder Durchblutungsstörung sowie übergewichtige oder mangelernährte Patienten –, verwenden wir einen gesonderten hochpotenten antibakteriellen Knochenzement, was speziell bei Knieprothesen aber auch bei der Hüfte zur Verhütung von Infektionen im Bereich der Endoprothetik wichtig ist.

Besonderen Wert lege ich auch auf eine schonende Vorgehensweise. Falls möglich, operiere ich minimalinvasiv. Das verkürzt die Operationszeiten und schont nicht nur Haut, Muskeln und Bandapparat, sondern beschleunigt auch den Heilungsprozess und verringert das Infektionsrisiko sowie die postoperativen Schmerzen des Patienten.

BSP: Bei Gelenkproblemen gilt der Grundsatz: „Viel bewegen, wenig belasten“. Was raten Sie Arthrose-Patienten vor und nach einer Knieoperation?

Dr. Knipprath: Es heißt auch „Wer rastet, der rostet!“ Gelenkschonende Bewegungen wie Radfahren, Nordic-Walking, Aqua-Fitness und Stepper fördern die Durchblutung und stärken die gelenknahe Muskulatur. Gleichzeitig wird die Nährstoffversorgung der Gelenke angeregt. Das hilft den weiteren Gelenkverschleiß zu verringern und beugt einer Gelenksteife vor. Viele Arthrose-Patienten vermeiden Bewegung, weil sie Schmerzen fürchten oder nicht wissen, was sie ihren Gelenken zumuten können.

Bewegung kann nicht nur helfen, das Fortschreiten der Arthrose zu verlangsamen, sie verbessert auch das Zusammenspiel zwischen Kunstgelenk, Muskeln und Bandapparat nach einer Knieoperation. Die Empfehlung der Spezialisten lautet: Mindestens zweimal in der Woche, besser täglich, 30 Minuten angemessene sportliche Betätigung. Das fördert das allgemeine Wohlbefinden stärkt die Muskulatur und das Immunsystem, was sich auch im Falle einer Gelenkersatz-Operation günstig auswirkt.

Patienten mit Gelenkersatz beginnen bereits am ersten Tag nach der Knieoperation mit einer sanften Bewegungstherapie. Sie werden hierbei von erfahrenen Therapeuten angeleitet und unterstützt. Die Patienten bleiben etwa 7 – 10 Tage zur Wundheilung im Krankenhaus. In der anschließenden Reha stärken sie ihr Bewegungsgeschick, was zur Verbesserung Ihrer Gehsicherheit auf Treppen und unebenen Böden wichtig ist.

BSP: Welche Sportarten empfehlen Sie Patienten Hüft- oder Knie-Gelenkersatz?

Dr. Knipprath: Für Patienten mit Hüft- oder Knie-Gelenkersatz empfehle ich Radfahren, Schwimmen, Wassergymnastik, Ausdauertraining auf dem Cross-Trainer, Rudern, Krafttraining im Fitnessstudio, Nordic Walking oder auch Ski-Langlauf. Das sind gelenkschonende Sportarten, die sich sehr gut eignen, um die Muskulatur an Knie und Hüfte zu kräftigen. Von Skiabfahrt oder Fußballspielen rate ich eher ab, da hier die Sturzgefahr und oder die Stoßwirkung doch sehr groß ist. Der Gelenkersatz würde den Sturz überstehen, die umgebenden Knochen eher nicht.

BSP: Herr Dr. Knipprath, vielen Dank für das Gespräch.

Kontakt: www.centrum-fuer-gelenkersatz.de
 
 

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